HTPC/PC

Low-Board-Bau

 

Nachdem in diesem Jahr zunächst  mit dem Panasonic TX P50 S10 ein gescheiter TV und danach ein HTPC angeschafft wurde wird zur Zeit der entsprechende Sound drum herum aufgebaut was mit der Anschaffung des Yamaha RX-V-467 begonnen hat. Das alte TV Rack ist mit seinen 120cm Breite nun auch erheblich zu klein geworden um alle Komponenten aufzunehmen. Deshalb wird es höchste Zeit für die Anschaffung eines entsprechend großen Low-Boards. Ein kurzer Exkurs in´s Web zeigte das die dort angebotenen Teile zum einen nicht genau das liefern was ich suche und zum anderen die Preise für halbwegs adäquate Boards jenseits von Gut und Böse sind. Aus diesem Grund habe ich beschlossen auch wenn Holzverarbeitung für mich mehr oder weniger Neuland ist mich im Selbstbau eines Low-Boards zu versuchen.

Als erstes führte mich dies dann im Rahmen der Planung nach langer Zeit dazu wieder einmal Cinema 4D zu nutzen da es das perfekte Programm zur Planung für solche Vorhaben ist.

Gebaut werden wird ein Low-Board mit folgenden Maßen: 280x54x33 (Breite x Tiefe x Höhe). Das ganze wird dreiteilig gebaut und dann untereinander zu einem Teil verschraubt werden da 280cm lange Möbelstücke sich bei Bedarf nicht gerade einfach durch die Gegend tragen lassen. Zur Zeit lese ich mich in die Materie der MDF Lackierung ein da ich mich für dieses Material aufgrund seiner Robustheit und wegen dem günstigen Preis entschieden habe, es werden schließlich insgesamt knapp 7,8qm² an Holz benötigt. Ich werde den gesamten Bau wie üblich dokumentieren und für einen evtl. Nachbau die exakten Maße posten.

Aussehen soll das ganze wenn es denn fertig ist in etwa wie auf dem folgenden Bild, 2 große und 2 kleine Schubladen und mittig wird lediglich ein Rahmen mit Akustikstoff verbaut zwecks Abdeckung des Centers.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Nach 3 Wochen mehr oder weniger harter Arbeit ist es soweit, das Board ist fertig und hier in gewohnter Weise die Doku.

Als erstes sollte solch ein Vorhaben natürlich gründlich auf den mm genau geplant werden, hierfür eignet sich eine Cad Software perfekt, ansonsten tut´s natürlich auch die altmodische Art und Weise mit Papier und Bleistift. Nach der Planung ging es in den Baumarkt, hier wurde das Vorhaben mit dem Herrn vom Zuschnitt besprochen welcher sein Einverständnis für die Verwendung von 19mm MDF Platten gab. Achtet darauf wenn Ihr z.B. mit 16mm Platten plant, euch dann aber eine andere Stärke empfohlen wird, z.B. 19mm, das sich hierdurch einige Maße ändern bevor Ihr euren Zettel mit den Maßen zuschneiden lasst. Ein kleines Trinkgeld kann übrigens die Qualität des Zuschnitts erheblich steigern!!!

Bei meinem Board kam dann folgender Zuschnitt zustande, zunächst nur für das Grundgerüst im Bild unten:

Boards aussen, 19mm MDF:

Deckplatte: 2x 80 x 54

Boden: 2x 80 x 52,4

Seitenteile: 4x 52,4 x 27

Rückwände: 2x 76,2 (80-2 x 19mm Stärke) x 27

Board mitte, 19mm MDF:

Deckplatte 1x 120 x 54

Bodenplatte 1x 120 x 52,4

Seitenteile 4x 52,4 x 27

Rückwände 2x 28 x 27

 

Dann ging es an den Zusammenbau. Stellt zunächst die Teile so auf wie sie später verleimt & verschraubt werden sollen und kontrolliert so ob der Zuschnitt auch exakt war. Als Holzleim habe ich Uhu Express verwendet. Dieser bindet innerhalb von 5min ab was ein längeres Warten überflüssig machte. Als erstes wurde an den äußeren Boards ein Seitenteil auf die Bodenplatte bündig verleimt, dann die Rückwand, dann das zweite Seitenteil. Im unmittelbaren Anschluss mit einem 3mm Bohrer vorgebohrt, mit einem Frässkopf die Senke für die Senkschrauben gefrässt, und direkt verschraubt. Als Schrauben verwendete ich 4,0x45 mm Holzschrauben. Damit steht dann schon das eigentlich Gerüst und es fehlt lediglich der Deckel den ich im Anschluss auf die selbe Art und Weise verleimte und verschraubte.

Beim mittleren Board habe ich den mittleren Bereich in dem der Center-Speaker Platz finden wird offen gelassen und lediglich rechts und links Rückwände verbaut. Da eine blickdichte Akustikblende verbaut werden sollte bleibt so Zugang von hinten und lästiges Bohren für Kabel entfällt.

 

 

 

 

 

 

 

Danach folgte das erste Schleifen der Stoßkanten da ich auch wenn ich durch meine Recherchen im Vorfeld wusste das dies sehr schwer sein wird selbige auf jeden Fall unsichtbar werden lassen wollte. (Bild unten links)

Im nächsten Arbeitsgang wurden die Kanten vorgespachtelt, ebenso die Senken der Schrauben. (Bild unten Mitte)

Dann folgte einer der wichtigsten Arbeitsgänge bei der Verarbeitung von MDF Platten: Das Grundieren. Dies ist bei MDF Platten zwingend erforderlich da selbige extrem saugfähig sind. Beachtet werden sollte das insbesondere die Kanten mindestens 2 x grundiert werden sollte. Hierbei passierte mir dann direkt der erste Fehler für den ich später mit viel Schweiß bezahlen sollte. Ich kann euch nur empfehlen auch wenn es oft anders beschrieben wird: grundiert mit einer Rolle und nicht mit dem Pinsel!!! Hierdurch wird die Grundierung gleichmäßiger aufgetragen was euch später viel viel Arbeit ersparen wird.

Als Grundierung benutzte ich MDF Grund von „Schöner Wohnen“, zu finden in jedem Baumarkt und der große Vorteil dieser Grundierung: sie stinkt nicht obwohl sie auf Kunstharzbasis hergestellt wird. Da das Board später hochglänzend werden sollte war ich gezwungen Kunstharz-Lack zu verwenden da es nur diesen hochglänzend gibt. Ihr könnt natürlich auch einen anderen Lack auf Wasserbasis verwenden, solltet jedoch vorab bedenken das ihr dann ausschließlich mit wasserlößlichen Materialen arbeiten müsst da selbige nicht mischbar oder über einander lackierbar sind. Dies beginnt übrigens schon bei den Rollen und hier solltet Ihr auf jeden Fall Rollen aus Velour nehmen und nicht diese Schaumstoff oder Fellrollen, auch dazu später mehr.

Nach der Grundierung bleibt der ganze Kram dann 12h zum Trocknen liegen bevor die Kanten & Schnittflächen des Zuschnitts ein weiteres mal grundiert. Ihr seht dann schon genau wo die Grundierung stark eingezogen ist und nochmal Handlungsbedarf besteht.

 

 

 

 

 

 

 

Am nächsten Tag solltet Ihr dann entweder kräftig frühstücken und euch auf einiges gefasst machen, oder was ich empfehlen würde euch irgendwoher einen Exzenter-Schleifer besorgen. Ich für meinen Teil würde es niemals mehr so machen wie ich es gemacht habe, mit der Hand schleifen.

Es gilt sämtliche Unebenheiten zu beseitigen. Weiterhin werden nochmals alle gröberen Unebenheiten gespachtelt, eine schnell trocknende Spachtelmasse ist da ganz erheblich von Vorteil und kostet euch nicht wieder Stunden des Wartens.

Ich habe zunächst mit 180er geschliffen, Ihr könnt aber ruhig 120er nehmen, evtl. sogar 80er. Das von mir verwendete 180er war zu fein was sich aber auch erst im nachhinein herausstellte. Im Bild unten links seht Ihr das die Stoßkanten zumindest auf den ersten Blick hier bereits nicht mehr sichtbar sind. Geschliffen wird solange bis die Oberfläche einer Eisplatte gleicht, ich hielt die auf Bild 2 zu sehende Fläche bereits für glatt was sich später rächen sollte. Denkt immer daran, das Schleifen ist der wichtigste Arbeitsschritt überhaupt und er entscheidet über die Qualität eurer Arbeit, doch auch dazu später mehr.

Nach dem Schleifen hab ich die Flächen mit einem Silikonentferner behandelt zwecks Entfernung von Fingerabdrücken, Fett etc., dann leicht feucht abgewaschen und so weitestgehend von Staub etc. befreit. Dann kam die erste Schicht Lack drauf. Verwendet habe ich ebenfalls von „Schöner Wohnen“ Schwarz hochglänzend auf Kunstharz-Basis, ebenfalls geruchsneutral was gerade bei Kunstharzlacken gewiss nicht die Normalität darstellt jedoch für mich wichtig war da das gesamte Projekt mangels beheizter Garage/Keller in der Wohnung statt fand.

Zur Lackierung noch 2 Dinge: Erstens, durch die Verwendung von Velour-Rollen vermindern sich die allseits bekannten Lufblasen extrem und verschwinden nach 2-3min komplett und zweitens, lieber zu wenig Lack als zuviel, Nasen sind zwar schön, aber nicht im Lack. Ihr solltet euch auch im Vorfeld bereits darüber im Klaren sein das Ihr eine hochglänzende Oberfläche mit Rollen niemals erreichen werdet, nicht umsonst wird sowas normalerweise in einer Lackierkammer gemacht und „Klavierlack“ besteht auch nicht umsonst aus bis zu 60 Lackschichten. Für eine halbwegs glatte und glänzende Fläche müsst Ihr mindestens 4-5 x lackieren und zwischenschleifen.

Rechts im Bild sieht die Spiegelung für die erste Lackierung bereits ganz gut aus. Um Einschlüsse zu vermindern habe ich immer nur Teile lackiert die senkrecht standen und selbige zum Trocknen in ca. 1cm von einer Wand dann aufgestellt, ein Tip den ich im Vorfeld in einem Tischlerforum gelesen hatte und der Gold wert war auch wenn sich dadurch natürlich der Zeitaufwand erheblich erhöhte da ich nie ein Board komplett lackieren konnte sondern immer wieder 12h warten musste bis der Lack staubtrocken war und ich das Board wenden konnte.

 

 

 

 

 

 

 

Dann am nächsten Tag der Horror: Was bitte war das? Das war doch nicht glatt? Das sah doch am Abend beim Lackieren noch so toll aus? Von einer halbwegs glatten Oberfläche keine Spur, Rillen und Riefen ohne Ende und Spiegelung konnte man das wirklich nicht nennen. Ich hatte so dermaßen die Schnauze voll das ich drauf und dran war den Plan mit der Herstellung in Hochglanz schwarz fallen zu lassen und das ganze Teil einfach nur matt zu lackieren.

Was war passiert? Ganz einfach: typischer Anfängerfehler! Viel viel viel zu wenig geschliffen. Hier rächte sich zum einen meine Unerfahrenheit und zum anderen das Auftragen der Grundierung mit einem Pinsel wodurch halt Rillen und Riefen entstehen. Deshalb hier nochmals der Hinweis: Grundierung mit der Rolle auftragen und wirklich gut ausrollen, und schleifen bis der Arzt kommt!!!

 

 

 

 

 

 

 

Also was tun? Nachdem sich der erste Frust gelegt hatte und ich zu oben erwähnter Schlussfolgerung kam als Ursache für die Riefen beschloss ich mich nicht so einfach geschlagen zu geben und holte mir aus dem Baumarkt mal eben 50 Blätter Schleifpapier. Es folgten 14!!! Stunden Hardcore-Schleifen (natürlich mit Pausen) und Abends als ich fertig war konnte ich mir die Schuhe zubinden ohne mich zu bücken. Vorm Umfallen ins Bett wurde dann noch flott wieder gesäubert und lackiert und ich schlief ein mit einer Mischung aus Alpträumen von einem Board welches dem Grand Canyon glich und mir mit Armen wie Mr.Fantastic. Am nächsten Morgen sah die Welt dann schon anders aus, die Plackerei hatte sich mal wirklich gelohnt und das sah doch schon erheblich besser aus als am Vortag.

 

 

 

 

 

 

 

Es folgte ein Zwischenschliff mit 400er Schmiergel, eine weitere Lackierung unverdünnt, 2 weitere Zwischenschliffe mit 800er Schmiergel/800er Schmiergel nass und 2 weitere Lackierungen mit zunächst 10% und bei der letzten Lackierung 25% Verdünnung im Lack. Danach sah die Oberfläche erheblich besser aus als ich überhaupt gedacht hätte das man dies mit der Rolle und mit Hausmitteln hätte erreichen können. Einschlüsse sind natürlich vorhanden, jedoch durch das senkrechte wandnahe Positionieren zum Trocknen in sehr geringem Maße.

 

 

 

 

 

 

 

Weiter ging es dann mit den Schubladen. Als Schubladenauszüge wählte ich Auszüge mit 50cm Länge die einfach an den Seiten unter die Lade geschraubt werden. Dies erleichterte zum einen die Montage und zum anderen waren selbige mit 2,70 Euro sehr günstig. Die Auszüge erforderten einen Montage-Abstand von 12,5mm pro Seite welchen ich bei der Berechnung des Zuschnitts für die Schubladen auf 13mm vergrößerte um minimalen Spielraum zu haben da die aufgetragene Grundierung/Lackierung hier ja auch das Material minimal verdickt.

Angefertigt wurde folgender Zuschnitt in 16mm MDF welches für die laden ausreichend ist, ich hätte 13mm genommen was auch gereicht hätte, das gab´s im Baumarkt bei uns jedoch nicht:

Rückwand große Laden 2x: 70,4 (76,2- 2x13mm Montagestärke der Schubladenauszüge - 2x16mm Wandstärke Seitenteile) x 20

Rückwand kleine Laden 2x: 22,2 (28- 2x13mm Montagestärke der Schubladenauszüge - 2x16mm Wandstärke Seitenteile) x 20

Bei den folgenden Maßen der Frontwand nahm ich nur eine Höhe von 10cm um die Lade nicht zu kopflastig werden zu lassen

Frontwand große Laden 2x: 70,4 (76,2- 2x13mm Montagestärke der Schubladenauszüge - 2x16mm Wandstärke Seitenteile) x 10

Frontwand kleine Laden 2x: 22,2 (28- 2x13mm Montagestärke der Schubladenauszüge - 2x16mm Wandstärke Seitenteile) x 10

Bei den Maßen der Frontwand nahm ich nur eine Höhe von 10cm um die Lade nach Montage der Frontblende nicht zu kopflastig werden zu lassen

Seitenteile alle Laden 8x: 53,2 x 20

Boden große Laden 2x: 73,6 x 53,2

Boden kleine Laden 2x: 25,4 x 53,2

folgende Teile in 19mm MDF damit die Laden auch von oben gesehen Bündig zur Deckelplatte schließen:

Blenden große Laden 2x: 79,9 x 26,9 (1mm Abzug als Spaltmass zur Deckelplatte und zum nächsten Seitenteil)

Blenden kleine Laden 2x : 30,9 x 26,9 (1mm Abzug als Spaltmass zur Deckelplatte und zur Centerblende.

Auf eine Lackierung der „inneren“ Schubladen habe ich verzichtet; ursprünglich wollte ich diese Weiss lackieren jedoch nach den gemachten Erfahrungen war es mir den immensen Arbeitsaufwand nicht wert da man in geschlossenem Zustand eh nichts von den Laden sieht.

 

 

 

To be continued...